Teilnahmebescheinigung

Na, was ist der Sinn des Lebens? Nee, 42 gilt nicht. Ich meine so richtig. Welchen Sinn hat dein Leben?

Seit ich mit 14 oder so mein erstes Philosophie Buch für Jugendliche gelesen habe, treibt mich diese Frage um. Vielleicht auch schon früher. Sie ist so rätselhaft, irgendwie zu groß um sie überhaupt ganz zu greifen. Ist der Sinn moralisch gemeint? Oder meint dir Frage, dass es einen vorgefertigten Plan für jedes Leben gibt? Oder geht es um den Sinn unserer grundsätzlichen Existenz hier auf der Erde? Ich habe es geliebt solche Fragen zu wälzen und wie vermutlich die meisten Teenager war ich etwas, dass ich als „romantische Nihilistin“ bezeichnen würde.

Moral? Naja, was soll ich damit anfangen. Ein gutes Leben wird sich schon irgendwie ergeben. Einen vorgefertigten Lebensplan? Bloß nicht! Mit 15 war ich überzeugt: dass es Leben auf unserem Planeten gibt ist ein gigantischer Zufall und hat absolut keinen höheren Sinn. Aber so ganz sinnlos wollte ich dann eben doch nicht sein und kam irgendwann zu dem Schluss: Wir können unserem Leben einen Sinn geben. Etwas existenzielles, dass unsere Existenz irgendwie rechtfertigt. Wenn wir etwas bedeuten wollen, dann liegt es an uns etwas dafür zu tun.

Ziemlich lange habe ich danach nicht mehr über diese Frage nachgedacht. Vielleicht weil ich in meinem Leben zunehmend mehr zu tun hatte. Langsam entwickelte ich Pläne und Zukunftsvorstellungen, die zumindest für mich Sinn machten. Bis sie sich irgendwie alle verknoteten und ich verwirrt zurück blieb und ziemlich vieles ziemlich sinnlos fand.

Da tauchte die Frage wieder auf. Und erneut schaute ich mich um. Viele Menschen in meinem Leben gingen scheinbar zielstrebig ihre Wege. Wer Kinder bekommt sieht in ihnen manchmal den Sinn des Lebens. Sie sind dieses eine, große Existenzielle das das eigene Leben prägt. Manche verfolgen berufliche Ziele. Feiern Erfolge, träumen vom Aufstieg. Ihnen gibt dieser Weg eine Richtung vor. Für mich kam beides nicht in Frage. Ich will keine Kinder bekommen und lieber eher weniger als mehr Zeit in Lohnarbeit investieren. In einem Artikel zum Kinderlosen Leben las ich von einem Paar, das nach Portugal ausgewandert war um Surfen zu lernen und die These aufstellte, man solle Entscheidungen treffen, die „so lebensverändernd sind, wie Geburten.“ Und auch wenn ich gerne mehr Reisen würde, habe ich in der Zwischenzeit auch gelernt, das ich gerne eine Basis und eine gewohnte Umgebung habe. Lebensverändernde Entscheidungen brauche ich gerade eigentlich eher nicht.

Tja. Und jetzt?! Es hat mich wirklich umgetrieben, was ich denn jetzt mit meinem Leben anstellen soll. Muss ich nicht irgendwas relevantes vollbringen?

Und dann hörte ich zufällig beim Aufräumen diese eine Lied von Kapelle Petra, das ich schon so oft gehört hat.

„Abgerechnet wird zum Schluss
Was hast du erreicht?
Was hast du bewegt?
Gegeübelt, nachgedacht
Recherchiert, lang überlegt

Kein Haus gebaut
Kein Kind gezeugt
Kein Baum gepflanzt
Und trotzdem nichts versäumt

Denn egal, manche mögens halt leichter
Die liegen halt lieber Rum
Denen reicht ne Bundesjugendspieleteilnahmebescheinigung“

Und seit dem denke ich: sie haben doch eigentlich recht. Ich bin dabei! In diesem Leben. Vielleicht nicht immer mitten drin, vielleicht Mal mehr am Rand. Vielleicht auch Mal müde, ziellos oder unerfolgreich. Aber hej, ich bin dabei! Ich brauche kein Leben mit Auszeichnung, mir reicht die Teilnahmebescheinigung.

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