Mitte März hatte ich mein Wohnungsjubiläum: Seit einem Jahr wohne ich in der Banausen Bude und zwar allein. Zeit für einen Blick zurück und auf die größten Überraschungen im alleine Wohnen.
Ob es Liebe auf den ersten Blick war? Ich weiß es nicht. Aber ich habe mich schon bei der Besichtigung direkt wohl in der Wohnung gefühlt. Und das ist schon ein kleines Kunststück, denn bei meiner Genossenschaft holt man sich einen Schlüssel ab und besichtigt die Wohnung dann alleine. Ich leuchtete also irgendwann im November allein mit meiner Handytaschenlampe durch eine dunkle Wohnung, die gerade renoviert wurde, Kabel aus der Decke, Bauschuttkübel in der Ecke, frischer Estrich im Bad und hab gedacht: Ja, kann ich mir vorstellen 😄

Das ich den Zuschlag bekam war Glück und Hartnäckigkeit. Bei der Schlüsselübergabe hab ich die Wohnung zum ersten Mal im hellen gesehen. Frisch renoviert. Und dann hatte ich also eine eigene Wohnung. Ziemlich surreal noch, der Gedanke, aber auch mit Vorfreude durchmischt. Gemeinsam mit meinem Vater hab ich dort mehrere Wochenenden Boden verlegt und die Wohnung dabei ein bisschen kennen gelernt. Am Campingtisch gegessen und die ersten Nächte dort auf der Luftmatratze geschlafen. Aufregend. Neu. Angst und Freude halten sich die Wage.
Der Umzug ging super schnell und ich bin so dankbar für die Crew, die mich in Dortmund empfangen hat und mit dem ersten Radler vom Kiosk die Bude getauft hat. Es folgen wilde Wochen mit Küchenaufbau, vielen Baumarktbesuchen, Kleinanzeigen Funden, Kisten, Chaos und lang andauernden Provisorien. Im Laufe des Jahres wird noch ein alter Tisch und ein Kleiderschrank aufgemöbelt, das Wohnzimmer eingerichtet und auch wenn nach einem Jahr immer noch keine Lampen hängen finde ich doch, ich hab schon echt viel geschafft.

Mit dem Umzug ändert sich auch der Alltag. Eine der größten Überraschungen ist, wie sehr mich das Pendeln beeinflusst hat. Ich habe plötzlich so viel mehr Energie und Zeit, und fühle mich so viel freier. Ich gehe zu Fuß zur Arbeit und liebe es. Langsam kommt eine Entspannung zurück, die ich seit Jahren nicht hatte.
Die zweite große Überraschung ist, dass ich die WG gar nicht vermisse. Vielleicht bin ich am Anfang nicht so im neuen drin, dass ich weniger merke, dass etwas fehlt. Aber gemeinschaftlich wohnen war Mal mein Lebenssinn. Und jetzt fällt mir noch nicht Mal auf, dass da niemand mehr ist? Darauf denke ich immer noch herum.
Und dann komme ich von einem Freundinnen Wochenende nach Hause und merke, dass ich mich auf die Wohnung freue. Dieses Zuhause Gefühl, hatte ich sehr sehr lange nicht. Mittlerweile merke ich körperlich, wie sehr ich runterfahre, sobald ich im Hausflur nach den Schlüssel krame. Ich bin angekommen und kann mir nichts schöneres vorstellen. Auch eine Überraschung.

Und doch wäre diese Wohnung nie so sehr ein Zuhause geworden, wenn nicht so viele liebe Menschen zur Einweihungsparty gekommen wären. Raum zu haben, für alle Menschen die mir wichtig sind, sie alle unter einem Dach unter bringen zu können, macht mich sehr glücklich.
Die Vorstellung, alleine zu wohnen hat mir lange Zeit Angst gemacht und mich überfordert. Ich konnte mir nicht vorstellen, so viel Raum einzunehmen, so viel Platz nur mit mir zu füllen. In den ersten Nächten lag ich im Bett und konnte die Leere um mich förmlich spüren. So lange Wege vom Bett bis zum Kühlschrank auf denen man niemandem begegnet! Selbstgespräche und Lachen beim Film schauen, das niemand hört.

Vor kurzem fragte mich ein Freund, den ich länger nicht gesprochen hatte nach meinen Erfahrungen mit dem alleine wohnen. Ich musste ein bisschen überlegen, wie ich es gut beschreiben kann, aber wenn ich jetzt im Bett liege, am Samstagmorgen, mit meinem Kaffee, und wahrnehme, dass da niemand ist, dann fühlt es sich an als könnte ich meine Seele ausbreiten und sie würde nirgendwo anstoßen.
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