Über das Ankommen und über WG-Küchen

Ich bin angekommen. Hier. Jetzt. Nur ich. DAs Licht des späten Vormittags fällt durch die Fensterfront und durch eine der geöffneten Galstüren klingt die Stadt herein. Das ferne Rauschen des Verkehrs vermischt sich mit Vogelstimmen, dem Gong der Schule nebenan und Sirenen von Polizei und Krankenwagen. Das ungewaschene Geschirr in der Spühle, Krümmel auf dem Herd, die Gerüche, Geräische, das Licht , aber auch der Raum selbst – alles vermittelt mir das Gefühl: Willkommen zu Hause. Du kannst hier loslassen, ankommen, sein.

Aber ich bin nicht zu Hause. Ich bin in Rom. Alles hier ist anders als zu Hause.

Zu Hause kommt kaum Licht in die Küche. Schon gar kein weiches, warmes Vormittagslicht. Zu Hause höre ich kurz vor Sonnenuntergang den Staren zu (liebe ich) und der Verkehr, die Sirenen, sind zum Glück weit weg. Dortmund rauscht ganz anders in unserem kleinen Hinterhaus als Rom hier in dieser Küche.

Ich bin hier in Rom nicht zu Hause. Aber trotzdem fühle ich mich hier, in dieser Küche, vom ersten Moment an angekommen. Ein Stück weit liegt es bestimmt daran, dass ich schon einmal hier war. In Rom habe ich vor 5 Jahren ein Praktikum gemacht (und dabei auch angefangen zu bloggen, wen die Anfänge interessieren klickt sich einfach bis ganz unten durch). Damals habe ich genau hier gewohnt, in dieser WG. Bestimmt ist es also die Erinnerung von damals, an das Licht, die Geräusche und Gerüche, die mich auch jetzt wieder willkommen heißen. Aber es ist mehr als das.

Ich mache mein Frühstück und setze mich an den Tisch. Ich fühle mich wohl hier. Und dann merke ich:

So angekommen, so wohl wie hier und jetzt, habe ich mich in meiner WG-Küche zu Hause nie gefühlt.

Und ja, das liegt auch daran, dass diese Küche zu Hause keine breite Fensterfront nach Westen hat und draußen der Dortmunder Winter anstatt dem römischen Frühling lebt. Unsere Küche zu Hause ist dafür aber nicht aufgeräumter oder sauberer als hier. Doch hier bestätigen die Krümmel auf dem Herd und das ungespühlte Geschirr in der Küche eher das positive Gefühl. Warum ist das hier so anders?

Ich mache mir einen Kaffe. Natürlich in der Bigaletti. Das Gluckern in der Kanne, der Geruch, alles passt so perfekt in diesen Vormittag. Ich schaue mich um und nun fallen mir noch mehr DInge auf. DIe ausgeschnittenen Figuren an der Wand, die selbstgezogene Avocado am Fenster, die luftschlangen verzierte Pflanze auf dem Tisch. Es sind simple, kleine Dinge, aber sie erzählen davon, das hier Menschen zusammen leben.

Man merkt dem Raum an, dass Menschen sich hier gern aufhalten, unkompliziert, offen, gemeinschaftlich.

Der Eindruck bestätigt sich in den nächsten Tagen. Noch immer wohnen hier Studierende, Anfang Mitte 20, im Auslandsjahr. Mit vielen von ihnen komme ich kurz ins Gespräch. Und ich merke, dass ich Fragen beantworte, anstatt sie zu stellen. Wir trinken zusammen Kaffee und Limcello. Sobald ich in der Küche bin, bin ich dabei. Ganz selbstverständlich. Und ich merke:

Es gibt Dinge, auf die ich nicht verzichten möchte. Scharfe Messer z.B. oder Töpfe mit Henkeln. Aber eben auch nicht auf einen Stapel Teller, bei dem keiner ist, wie der andere oder Zimmerpflanzen, die bei einer weinseeligen Aktion mit Kronkorken verziert wurden.

Fenster bis zum Boden und italienische Sonne sind das eine und ja, vielleicht brauche ich auch das noch einmal länger in meinem Leben. Aber wer und vor allem wie diese Räume mit Leben gefüllt werden, ist immer noch einmal etwas anderes.


So und jetzt eine ernst gemeinte Frage:
Warum gibt es solche Räume so wenig? Geht das nur mit Anfang / Mitte 20? Oder auch noch später? Was braucht es und vor allem – wie kann man in so offenen Räumen, die sich ja dementsprechend auch ständig verändern trotzdem ankommen? Ich würde mich sehr über eure Gedanken zu dem Thema freuen.

4 Antworten zu „Über das Ankommen und über WG-Küchen”.

  1. Hallo, liebe Lele!
    Schön, dass du dich wohl fühlst in der Küche und mit den Menschen in der WG!
    Wohin gehen deine Schritte in den nächsten Tagen?Wo immer sie dich hinführen, du nimmst dich immer selbst mit ! Ich bin sicher, du hast die richtige Begleitung. Behalte sie!
    Liebe Grüße von Renate

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    1. Hallo liebe Renate,
      wie lieb von dir, vielen Dank! Ich bin inzwischen wieder in Dortmund, Rom war leider nur ein Kurzurlaub. Aber sehr, sehr schön 🙂

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      1. Wie schade!
        Ich dachte, du hättest dich dort für einige Zeit niedergelassen!
        Viel Glück auf der Suche!

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      2. Ja, das hätte ich auch schön gefunden 🙂 aber vielleicht wird das ja noch Mal irgendwann etwas.

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