Wenn der erste Blick aus dem Fenster dir zeigt, dass es schon wieder regnet (wie die ganze letzte Woche…),
wenn du dich dann (nur noch 5 Minuten) noch mal rumdrehst und eine halbe Stunde später aufwachst und dich plötzlich beeilen musst…
wenn beim Frühstück plötzlich ein 4 jährigess Kind in der Küche sitzt (Besuch von meiner Mitbewohnerin, aber bitte: Kinder! morgens! vor dem Frühstück!!)…
wenn es auf dem Weg zur Metro merkst, dass die Pfützen ziemlich tief und deine neuen Schuhe nicht wasserdicht sind, und der Blick nicht weiter reicht, als die Scheuklappen der Kapuze zulassen,
… dann hat der Tag irgendwie scheiße angefangen…

Wenn dann der Drucker spinnt (30 Seiten in einer halben Stunde! und nur jede dritte Seite ein Fehldruck)…
wenn die Arbeit aus drag&drop besteht und die Energie gegen die Wand läuft weil Engagement auf jeder Ebene gebremst wird…
wenn auf der Pizza in der Mittagspause plötzlich Fleischbällchen auftauchen (auf der Pizza! Fleischbällchen!!)…
und dann auch noch in den Nachrichten und in den Mails nur schlechte Neuigkeiten einlaufen und die Kollegen – ach, davon fang ich jetzt nicht auch noch an.
Dann, ja was ist dann? Dann war der Tag echt scheiße.
Und mal ganz im Ernst: Das muss doch auch mal erlaubt sein. So ein richtig beschißener Tag. Ich finde, da hat jeder Mensch das Recht drauf. Mal so richtig schlechte Laune zu haben. Und Pech. Und so gar keine Lust auf nix. Auch nicht auf Blog schreiben.
Genau so war mein Tag. Und eigentlich sollte dieser Artikel hier enden. Ohne frohe Botschaft. So richtig schön trotzig. Bäh! Heute geht’s mir mies. Das Leben ist halt nicht immer schön und selbst in Rom kann’s scheiße sein. Aber das Dumme an solchen Tagen ist: Ich nerv mich dann selbst so schnell. Und hab dann irgendwie keine Lust mehr auf schlechte Laune. Ich weiß nicht, was du dann machst. Vielleicht denkst du dir: Wenn ich du wäre, würde ich einen Zuckerkuchen backen. Oder eine Malakoff Torte. Oder Schokolade essen und Fernsehn. Oder Boxen gehen. An einem Scheiß Tag ist alles erlaubt. Ich hab mir für diesen Zweck eine „Scheiß drauf“ Playlist zusammen gestellt. Und die hat mich heute tatsächlich selbst überrascht.

Dann Scheiß drauf!
In der Metro steck ich mir die Stöpsel in die Ohren. > Play. Und ja, es ist mir egal, was die Leute von mir denken, ich tanz auch in der Metro, eine Hand ganz locker an der Haltestange, und frage mich ob die Leute gerade versuchen an meinen Lippenbewegungen den Liedtext abzulesen.
Die Rolltreppe hoch laufen, Kapuze auf und rein in den Regen! Regenschirm-Ausweich-Slalom-Laufen. Kaputze runter – freier Blick. Schneller laufen und keine Pfütze auslassen! Erst nur aus Eile, dann mit mehr Muße, und so richtig genießen wie es wegspritzt beim reinspringst! Laut mitsingen und durch die Pfützen tanzen. AutofahrerInnen an der Ampel zuwinken. Und immer mitten in die Pfütze rein. Patsch. Platsch. Arme hoch, und Drehung! „It’s my life! It’s now or never“.
Zu Hause angekommen bin ich so in Fahrt, dass ich noch einen Abstecher in den Orangengarten mache, den Duft der nassen Bäume einatme und mir den Regen von den nassen Blättern ins Gesicht schüttele „I’m walking on sunshine, Wohooo…“

Wenn man aus Socken am Ende so richtig viel schwarzes Wasser auswringen kann,
wenn der frische Orangensaft auf dem Tisch am Ende voller Sonnenstrahlen ist,
und wenn es dann doch noch irgendwie was zu erzählen gibt, von diesem Tag,
Dann, ja was dann? Dann ist doch noch mal alles gut gegangen? Ist das Leben doch irgendwie schön? Und kann man auch in den kleinen Dingen des Alltags die großen Fragen des Lebens finden?
Ach komm. Scheiß drauf. Ich muss meine Schuhe trocken kriegen.
Und? Hast du auch ne „Scheiß drauf“ Playlist? Welche Lieder sind da drin? Erzähl mal von deinem Scheiß Tag.
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