Okay, das war so nicht geplant. Mitte März, mitten im größten beruflichen Stress fahre ich auf eine Tagung nach Bremen und entscheide relativ kurzfristig das Wochenende davor noch dran zu hängen. Weil – Warum nicht? Die letzten Wochen war es schon richtig warm und sonnig und ich freue mich auf Radfahren an der Weser, Kaffee in der Sonne und ne frische Briese beim Bummeln. Doch das Wochenende bleibt kalt, grau und wolkenverhangen. Mäh. Und weil ich ein bisschen emotionalen Support brauche, frage ich nach euren Tipps und bekomme Viele! Was ich ausprobiert habe und was auf meine Bucketlist kommt, lest ihr hier.
Samstag – Nieselregen, Kunst und Zimtschnecken
Der Tag startet um Café Lagom, einem skandinavischen Café, dass mir für seine authentischen Zimtschnecken empfohlen wurde. Und was soll ich sagen: sie sind köstlich. Genau wie die Croissants und der Kaffee. Auch die Atmosphäre hat mir sehr gefallen. Entspannt und ruhig dabei aber eher WG-Küchenfeeling als Wohnzimmerambiente. Danke für den Tipp, L.



Nach dem Frühstück bummel ich im Nieselregen noch ein bisschen durch das malerische Schnorr-Viertel. Besonders fällt mir ein Regenschirm-Fachgeschäft und der Plattenladen „Schnoor-Records“. Beide kommen aber auf die Bucked-List, denn ich will noch einen Abstecher in die Bremer Bonbon Manufaktur machen, die F. mir empfohlen hatte. Auch hier werde ich nicht enttäuscht, fühle mich kurz wie in Bullerbü und verlasse den Laden mit einem Glas Lakritzbonbons.

Der nächste Stopp führt mich ins Viertel „Viertel“, das ein bisschen nach der hippen Seite von Berlin aussieht: Viel Street-Art, Cafés, Restaurants und mitten drin der linke Buchladen Golden Shop. Hinter der goldenen, viel zitierten Fassade stapeln sich Bücher und Menschen. In der letzten Woche ist der Buchladen von der Nominiertenliste des für den Preis des deutschen Buchhandels gestrichen worden. Weil er angeblich dem linksextremen Spektrum zuzuordnen sei. Seit dem reist der Strom der solidarische Besuchenden nicht ab. Viele fragen nach Möglichkeiten zu unterstützen, kaufen Gutscheine, spenden für den anstehenden Prozess. Es ist wuselig und ein bisschen kämpferisch. Es werden Witze gerissen aber auch Anspannung und Überraschung sind zwischen den Zeilen der Gespräche spürbar. Hat wirklich der Verfassungsschutz den Laden beobachtet? Wie intensiv und wen genau? Ich nehme mir viel Zeit, schlenderte alle Regale ab und genieße es sehr Mal wieder so richtig in einen Buchladen einzutauchen. Natürlich nehme ich auch zwei Bücher mit.
Nach einem Mittagessen im nur wenige Meter entfernten Café Piano entschließe ich mich zu einem kleinen Umweg. Dachte ich zumindest. Denn ich verfahre mich im Nieselregen nur um ein Foto von einer Bank zu machen. Aber es hat sich gelohnt. Ich meine: so gelassen lächelnd im Regen zu sitzen ist schon auch eine Kunst und lässt mich mit einem Lächeln weiter fahren zur Kunsthalle.

Diesen Stop hatte J. mir empfohlen, aber ehrlich gesagt stand die Kunsthalle Bremen auch so schon ziemlich weit oben auf meiner Liste. Ich finde es ist eins der wenigen (Kunst-) Museen, die es schaffen durch gutes Marketing und eine tolle Sammlung nicht abgehoben sondern sympathisch zu wirken. Allein der Pixelwald von Pipilotti Rist ist den Besuch schon wert und wenn ich nicht schon vorher Fan von Licht- und Installationskunst gewesen wäre, ich wäre es spätestens jetzt geworden.

Pixelwald Wisera von Pipilotti Rist
Anschließend nehme ich mir Zeit, für die Kunst des 20. Jahrhunderts und könnte schon wieder anfangen zu schwärmen, denn sie sind doch alle toll. Besonders hat mir die Darstellung der Künstler*innen aus Worpswede gefallen. Aber es gibt noch so viel mehr zu sehen, also ja – geht hin!
Als ich die Kunsthalle verlasse, ist es 17:00 Uhr. Der Niesel hat sich in Regen verwandelt und ich bin ziemlich müde. Also zurück ins Hotel und in den neuen Büchern schmökern.
Sonntag – Müsli und Wale
Der Tag startet mit einem Müsli im Vitaminlager, wo ich vor allem lande, weil das Hotel in der Nähe ist. Dann geht’s an der Weser entlang in die Innenstadt ein bisschen kommt dabei sogar die Sonne raus.

Und dann hatte ich noch Zeit für einen schnellen Besuch im Überseemuseum, das M. mit empfohlen hatte – und es ist nicht umsonst ein hoch gelobtes Museum in der Szene. Die Ausstellung verbindet Naturkunde und Völkerkunde wobei sich Themen wie Globalisierung, Klimawandel und Nachhaltigkeit wie ein roter Faden durchziehen. Stimmen indigener Personen werden in Videos und Audios immer wieder einbezogen und es gibt viel viel viel zum anfassen, ausprobieren, spielen, klettern und lernen. Für mich ein Museum mit hoher Aufenthaltsqualität, das seine vielfältigen Aufgaben ernst nimmt und selbstkritisch umsetzt.
Nicht geschafft habe ich leider das Paula Moderson-Becker Museum, das mir direkt zweimal empfohlen wurde und das ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Daher großen Dank an A. und S.! Aber zumindest in der Kunsthalle hab ich ihre Werke gesehen und da Paula Moderson-Becker dieses Jahr 150 Jahre geworden wäre ist das vielleicht ja auch nochmal ein Anlass für einen weiteren Besuch in Bremen. Die Liste ist noch lang genug.
Und vielleicht mögt ihr mir ja in die Kommentare schreiben, was ich sonst noch verpasst habe 😀
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