Online umziehen – nur wohin?

Mich treibt aktuell ein Thema um, dass ich gerne auch Mal wieder hier besprechen möchte, denn es geht konkret um diesen Ort. Das Internet. Und im mich darin.

Denn ich merke in den letzten Wochen, was hier ja auch von anderen immer wieder Thematisiert wird: ich möchte mehr offline sein. Und gleichzeitig mag ich diese digitale Verbindung in die Welt und zu Menschen die ich „im echten Leben“ nicht so viel sehe.

Ich hab hier auf Instagram aber auch auf YouTube und Blogs so viel gelernt! Über Minimalismus, Zen und Christentum, Rassismus, Abelismus, Klassismus, Diet-Cultur und Adultismus, Queer sein, Trans sein und Neurodivergenz. Kindererziehung, Siebdruck, Brotbacken und Marketing. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich ohne Zugang in diese Welt nicht die Person wäre, die ich heute bin.

Und ich bin auch gerne Teil dieser Welt. Teile meine Gedanken, bringe meinen Aktivismus ein, erzähle Geschichten und lasse, wie es früher auf YouTube manchmal hieß „Die Menschen in mein Wohnzimmer“. Ich teile gerne mein Leben und ich teile mich gerne mit. Ich nutze gerne meine Stimme für Themen, die mir wichtig sind.

Aber es geht auf Social Media längst nicht mehr ums (An)Teilnehmen. Während ich zu einer netten kleinen Party in meinem Wohnzimmer einlade wird vor dem Fenster wie wild rumgeschrien. Ist die geteilte Kachel zu einem der vielen Jahrestage eigentlich irgendwas wert oder nur ein Lippenbekenntnis? Und ist ein gemeinsames Abendessen im Nachbarschaftsraum im Viertel am Ende nicht die antifaschistischere Tat des Tages als ein Reel zu teilen?

Instagram ist ein Strudel, der mich immer wieder tief ins Doom Scrolling reinzieht. Zu Orten in dieser Welt, zu denen ich nie wollte immer auf der Suche nach dem einen neuen, inspirierenden Gedanken oder dem nächsten witzigen Video. Doch vorher müssen oft viele Stunden öder Wüste in Form von langweiligen Videos durchforstet werden. Ganz ehrlich? Würde mein Chef mir sagen, ich soll das  auf der Arbeit tun, ich würde ihm nen Vogel zeigen….

Deshalb habe ich Instagram inzwischen auf 30 Minuten täglich limitiert und schaue fast nur noch in die Storys. Der Anfang war hart aber jetzt bin ich oft schon nach 20 Min. an dem Punkt, dass ich denke „reicht jetzt“. Und das Handy auf weglege. Und mich insgesamt viel besser fühle, mehr Energie habe. Abends lieber lese und dabei entspanne anstatt aufgekrazt ins Bett zu gehen von vielen schnellen, Aufmerksamkeit heischen Schnitten…

Doch in der Ruhe, die in meinem Kopf jetzt herrscht explodieren plötzlich die Ideen und Gedanken. Und eigentlich würde ich die eben doch gerne mitteilen. Ich erlebe meinen Alltag plötzlich wieder viel intensiver – und würde doch andere so gerne daran teilhaben lassen!

Doch wo in dieser endlosen Internet- Welt ist der Ort dafür? Wo kann ich mein Wohnzimmer so einrichten, dass ich meine Ruhe habe und es gleichzeitig nicht komplett ab vom Schuss ist und auch noch jemand vorbei kommt?  

Instagram ist definitiv die Big City. Hier sind alle. Und alle sind beschäftigt. Trotzdem hier bleiben?

Dieser Blog ist nicht nur ein Wohnzimmer sondern schon fast eher ein Schloss. Definitiv groß genug für alle Projekte. Aber wer findet den Weg über die Landstraße? Und traut man sich noch über die Schwelle?

WhatsApp, Signal und Co. werden immer mehr zu Sozialen Netzwerken. Nur: der WhatsApp-Status ist ein Dorf, hier kennt jeder jeden und der Nachbarschaftstalk geht über Urlaub, Kinder und Wetterphämome kaum hinaus. Kann man da auch ne Story wie diese teilen und den Dorfplatz in eine antike Agora verwandeln auf dem sich die Philosophen treffen?

Und jetzt interessiert mich eure Meinung: wo fühlt ihr euch online zu Hause? Was macht das aus? Und wo hört und Lest ihr am liebsten von anderen?

Hinterlasse einen Kommentar